Parzival, Nibelungenlied und Klage, Karl der Grosse, Willehalm.
CD-Rom mit einem Begleitheft.
Hrsg. von der Stiftsbibliothek St. Gallen und dem Basler Parzival-Projekt.
Der Codex 857 der Stiftsbibliothek St. Gallen ist die älteste
Sammelhandschrift mittelhoch-deutscher höfischer Epik. Das um 1260 im
Alpenraum angefertigte Manuskript enthält so bedeutende Texte wie
Wolframs "Parzival", das "Nibelungenlied" und die "Klage", Strickers "Karl"
und Wolframs "Willehalm". Sprache und Einrichtung der Handschrift deuten
auf eine professionelle Schreibstube im Alpenraum, der kostbare
Initialschmuck auf die Beteiligung norditalienischer Illuminatoren.
Aus dem Nachlass des Schweizer Historikers und Staatsmanns Aegidius
Tschudi gelangte der Codex im Jahr 1768 in den Besitz der St. Galler
Stiftsbibliothek. Alsbald wurde sein bedeutender Wert von der noch jungen
germanistischen Forschung erkannt. Johann Jakob Bodmer, Karl
Lachmann und Friedrich Heinrich von der Hagen gehörten zu den ersten
wissenschaftlichen Benutzern. Die Handschrift wurde Grundlage der noch
heute massgeblichen Ausgaben des "Nibelungenlieds", des "Parzival" und
des "Willehalm". Sie diente als Maßstab für die Einrichtung einer
normalisierten Schreibung in den modernen Editionen mittelhochdeutscher
Texte.
Erst in der jüngsten Fachgeschichte zeigte sich, dass zu dem Manuskript
auch zwei geistliche Dichtungen (Konrads von Fussesbrunnen "Kindheit
Jesu" und Konrads von Heimesfurt "Unser vrouwen hinvart") gehörten, deren
Fragmente heute in Berlin und Karlsruhe aufbewahrt werden. Darüber
hinaus sind demselben Skriptorium zwei in Wien und Berlin befindliche
Fragmente mit Ausschnitten aus Wolframs "Parzival" und dem
"Nibelungenlied" zuzuordnen.
Die elektronische Edition auf CD-Rom bietet die einzigartige Möglichkeit,
diese in verschiedenen Bibliotheken verstreuten Materialien zu vereinen. Der
Datenträger enthält Farbabbildungen der Handschrift in drei verschiedenen
Grössen sowie Hinweise zur Lagenstruktur und zu den beteiligten
Schreibern. Über Menuleisten können die einzelnen Texte und
Textabschnitte angesteuert werden. Suchbefehle ermöglichen das gezielte
Auffinden von Textstellen nach Vers- und Strophenangaben in den
etablierten Ausgaben. Die vergrösserten Ansichten der Initialen lassen die
Feinstrukturen der anspruchsvollen Illuminationstechnik erkennen.
Für das "Nibelungenlied" und die "Klage" werden Transkriptionen
beigegeben, die mit den Farbabbildungen verlinkt sind. Die Texte der
Fragmente zu "Parzival" und "Nibelungenlied" erscheinen in synoptischer
Darstellung mit den entsprechenden Abschnitten des St. Galler Codex. Hier
zeigt sich der Grad an textueller Beweglichkeit, der in der Frühzeit
mittelhochdeutscher Epenüberlieferung selbst innerhalb ein und desselben
Skriptoriums möglich war.
Eine wissenschaftliche Einführung in gedruckter und digitaler Form fasst die
jüngere Forschungsgeschichte zusammen. Die Erläuterungen machen
Geschichte, Aufbau und Bedeutung der Handschrift einer weiteren
interessierten Öffentlichkeit verständlich.
Die wichtigsten Neuerungen:
-Erweiterungen der Transkriptionen auf Abschnitte aus Wolframs "Parzival"
-Aktualisierung der Begleittexte (auf der CD und im Booklet) gemäss dem
Forschungsstand von 2005
-Verbesserungen in der Bedienung (z.B. Einsatz von Cursor-Tasten zum
virtuellen Blättern in den Seiten des Codex)
-Beigabe eines Browsers für PC und Macintosh, der eine langfristige Nutzung
der CD gewährleistet
ISBN 3-906616-70-3
Preis CHF 48.-