Stiftsbibliothek St.Gallen
Stiftsbibliothek St.Gallen

Retrokatalogisierung

Der Gesamtbestand an gedruckten Büchern der Stiftsbibliothek, der 170'000 Einheiten umfasst, ist teilweise nur in Form von Karteikarten erfasst. Für die Benutzerinnen und Benutzer der Bibliothek heisst dies, dass das Einsehen der Zettelkästen vor Ort oft nicht zu umgehen ist. Damit in Zukunft alle Bestände von zu Hause oder vom Arbeitsplatz aus abgefragt werden können, werden seit 2000 die älteren Bestände auf elektronischem Weg rekatalogisiert. Zusätzlich bietet die standardisierte Titelaufnahme am Computer die Möglichkeit, dem Benutzer mehr und detailliertere Informationen zur Verfügung zu stellen.

Bei gleichbleibendem Tempo der Rekatalogisierung wird der Gesamtbestand in etwa vier Jahren via Online-Katalog abrufbar sein. Anfänglich im Rahmen eines Projekts durch die Internationale Bodenseekonferenz unterstützt, wird der Aufwand heute ausschliesslich von der Stiftsbibliothek getragen.

Handschriftenkatalogisierung

Die Erschliessung mittelalterlicher Handschriften mit den heute zur Verfügung stehenden, z.T. elektronischen Hilfsmitteln ist eine wichtige Grundlagenforschung für verschiedenste Bereiche der Geisteswissenschaften. Auch für die Stiftsbibliothek gehört es zu ihren Kernaufgaben, zeitgemässe Kataloge zu erarbeiten. In drei Jahrzehnten Katalogisierungsarbeit wurden von unserem bisherigen Katalogisator Dr. Beat von Scarpatetti zunächst die bis dahin nicht erschlossenen Codices 1726-1984 bearbeitet (erschienen 1983) und dann die Neukatalogisierung der Abt. IV: Codices 547-669: Hagiographica, Historica, Geographica (erschienen 2003) und der Abt. III/2: Codices 450-546: Libri precum, deutsche Gebetsbücher, Spiritualia, Musikhandschriften (erschienen 2008) durchgeführt.

Nach einer dreijährigen Initialisierungsphase mit Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds wird heute die Handschriftenkatalogisierung durch den Mediävisten Dr. des. Philipp Lenz fortgeführt. In Bearbeitung ist die Abt. V: Codices 670-749: Römisches, Kanonisches und Germanisches Recht. Während die frühmittelalterlichen Rechtshandschriften (Leges, Kapitularien, Collectiones canonum) inhaltlich grundsätzlich gut erschlossen sind, verspricht die Bearbeitung der hochmittelalterlichen und vor allem der zahlreichen spätmittelalterlichen Handschriften grosse Erkenntnisgewinne. Neuansätze bestehen auch in der Erforschung der Einbände und in der Beschäftigung mit weiteren kodikologischen Fragen. Der Band ist im Druck und wird 2014 erscheinen.

Digitalisierung

In einem ersten Schritt hat die Stiftsbibliothek zusammen mit dem Basler Parzival-Projekt Ende 2003 die Nibelungenhandschrift B (Handschrift Nr. 857) als Vollfaksimile zusammen mit wissenschaftlichem Kommentar in Form einer CD-ROM herausgegeben ("Codices Electronici Sangallenses 1", 2. Aufl. 2005). Anfang 2005 startete ein umfassenderes Digitalisierungsprojekt zusammen mit dem Mediävistischen Institut der Universität Freiburg i. Ü.: "Digitale Stiftsbibliothek St. Gallen / Codices Electronici Sangallenses (CESG)". Es erschliesst die mittelalterlichen Handschriften durch eine virtuelle Bibliothek und macht sie über das Internet der Forschung sowie dem interessierten Publikum zugänglich: www.cesg.unifr.ch.

In dem Projekt werden die mittelalterliche Handschriften der Stiftsbibliothek mit modernsten technischen Einrichtungen in hoher Auflösung digital reproduziert. Zusätzliche Informationen zu den einzelnen Handschriften werden in einer Datenbank verwaltet und auf verschiedene Weise mit den Bildern verknüpft. Dadurch wird ein neuartiges Arbeitsinstrument für die Handschriftenforschung geschaffen, das langfristig angelegt ist und potentiell alle Informationen zu den einzelnen Handschriften einbinden kann. Auch der interessierte Laie, der Kenner und Liebhaber prächtiger Handschriften, kann die berühmten St. Galler Zimelien per Internet wie in einer virtuellen Bibliothek betrachten.

Sequenzen Notkers des Stammlers multimedial

Die berühmten Sequenzen des St. Galler Mönchs und Dichters Notker des Stammlers († 912) sind in einem 2013 abgeschlossenen Projekt unter dem Namen „e-sequence“ auf neue Art zugänglich gemacht worden. Man kann im Internet die geistlichen Gesänge in den ältesten überlieferten Handschriften betrachten, die mit Melodiezeichen (Neumen) versehen sind, und zugleich die Einspielungen hören. Dadurch werden die Sequenzen Notkers in den Musikhandschriften aus dem Frühmittelalter zu neuem Leben erweckt.

Unter den vierzig von Notker geschaffenen Sequenzen wurden die fünf berühmtesten ausgewählt: „Natus ante saecula“ (zu Weihnachten), „Gaude Maria virgo“ (zum 1. Januar), „Sancti Spiritus assit nobis gratia“ (zu Pfingsten), „Congaudent angelorum chori“ (zu Mariä Himmelfahrt) und „Dilecte Deo Galle“ (zum Gallusfest).

e-sequence ist im Internet frei zugänglich unter: www.e-sequence.eu