Stiftsbibliothek St.Gallen
Stiftsbibliothek St.Gallen

Geschichte

Müssiggang ist der Seele Feind. Deshalb sollen die Brüder zu bestimmten Zeiten mit Handarbeit, zu bestimmten Stunden mit heiliger Lesung beschäftigt sein (aus Kap. 48 der Ordensregel des heiligen Benedikt). 
 

Seit dem Jahr 747 befolgte das 612 im Wald an der Steinach grundgelegte Kloster St.Gallen die Benediktsregel, welche das kontemplative Bücherstudium vorsieht und also auch eine Bibliothek voraussetzte. Eine solche ist für St.Gallen erstmals indirekt bezeugt über den um 820 entstandenen Klosterplan, der im nordseitigen Winkel zwischen Ostapsis und Querschiff der Kirche ein zweistöckiges Gebäude von Skriptorium und Bibliothek verzeichnet. 

Die Abtei wuchs in den ersten Jahrhunderten ihres Bestehens zu einem geistigen und kulturellen Zentrum blühender Schreibtätigkeit und Buchmalerei. Ihre schöpferischen Mönche - Buchmaler wie Wolfcoz, Folchart, und Sintram, Dichter und Musiker wie Ratpert, Tuotilo, Notker der Stammler und die Ekkeharte, sowie Notker Labeo als Meister der althochdeutschen Schriftsprache - gingen in die europäische Kulturgeschichte ein. Antike, Alemannentum und Christentum fanden sich in sanktgallischen Manuskripten zur Synthese. Nachdem die rasch wachsenden Buchbestände lange Zeit in einem Ende des 9. Jahrhunderts erbauten Fluchtturm, dem so genannten Hartmut-Turm, gelagert wurden, fanden sie von 1553 an in der neuen librey, einem zweistöckigen Bibliotheksgebäude, einen neuen Aufbewahrungsort. Zwölf polychrome Schlusssteine dieser 1758 abgebrochenen Renaissance-Bibliothek sind heute im Lapidarium zu besichtigen. Zwischen 1758 und 1767 liessen die Äbte Cölestin Gugger von Staudach und Beda Angehrn den prunkvollen Barocksaal bauen und von Meistern aus der Bodenseeregion ausstatten. Er gilt heute als einer der schönsten in seiner Art.  


 

(Abbildung aus Handschrift Nr. 914, S. 115. Hier der Anfang von Kapitel 48 über die Ordnung für Handarbeit und Lesung aus der Regel des Heiligen Benedikt.)