Stiftsbibliothek St.Gallen
Stiftsbibliothek St.Gallen

Architektur

Der reich bewegte, festlich gezierte, in seinen Massen edel ausgewogene Büchersaal der Stiftsbibliothek wird als der schönste nicht-kirchliche Barockraum der Schweiz und als einer der formvollendetsten Bibliotheksbauten der Welt gepriesen. Er wurde zwischen 1758 und 1767 unter Fürstabt Cölestin Gugger von Staudach, dem auch die fast gleichzeitig entstandene Stiftskirche (seit 1823 Kathedrale) zu verdanken ist, erbaut und kunstvoll ausgestattet. 

Die Deckengemälde stellen die vier ersten ökumenischen Konzilien (allgemeinen Kirchenversammlungen) dar: Nicäa (325), Konstantinopel (381), Ephesus (431), Chalkedon (451). Die Gestalten in den seitlichen Stichkappen versinnbildlichen die Kirchenväter; die kleinen Grisaille-Malereien dokumentieren Sparten klösterlicher Wissenschaftspflege. 

Die Bildnisse der um den Neubau verdienten Äbte Cölestin Gugger (1740-1767) und Beda Angehrn (1767-1796) zieren die Schmalseiten des Bibliothekssaals. Die griechische Inschrift über dem Eingangsportal lautet ΨΥXHΣ IATPEION, zu deutsch "Seelen-Apotheke" oder "Heilstätte für die Seele".

Als Baumeister wirkten die in Konstanz lebenden Vater und Sohn Peter Thumb aus Bezau in Vorarlberg. Die Stukkaturen schufen die Brüder Johann Georg und Matthias Gigl aus Wessobrunn, die Deckengemälde führte Josef Wannenmacher aus Tomerdingen (Württemberg) aus, und für die kunstvollen Holzarbeiten zeichnete Klosterbruder Gabriel Loser aus Wasserburg bei Lindau mit seiner Werkstatt verantwortlich.