Stiftsbibliothek St.Gallen
Stiftsbibliothek St.Gallen

Handschriften aus Zürich

Die Beilegung des so genannten Kulturgüterstreits mit Zürich vom Jahr 2006 beinhaltet zusammenfassend folgende Punkte:

St.Gallen anerkennt, dass Zürich an sämtlichen Kulturgütern, die auf Grund der Ereignisse von 1712 im Besitz zürcherischer Institutionen und des Schweizerischen Landesmuseums sind, unabhängig von den Umständen des Erwerbs volles Eigentum und sämtliche daraus fliessenden Rechte erworben hat.

Zürich anerkennt die Identitätsrelevanz der in der St.Galler Klosterbibliothek seit dem frühen Mittelalter entstandenen und gesammelten vorab einheimischen Zeugnisse der Schreib-, Mal- sowie Buchkunst und Wissenschaft für St.Gallen und den Bodenseeraum. St.Gallen anerkennt, dass die Kulturgüter in den fast 300 Jahren ihres Verbleibs in Zürich zur kulturellen Identität der Zentralbibliothek beigetragen haben und dort gut konserviert, gepflegt und erschlossen worden sind.

Zürich erstellt für die Stiftsbibliothek St.Gallen eine originalgetreue Replik des der Stiftung Zentralbibliothek Zürich gehörenden, im Landesmuseum befindlichen Erd- und Himmelsglobus.

Der Kanton Zürich schenkt St.Gallen die sich im Staatsarchiv Zürich befindliche Vita vetustissima Sancti Galli.

Zürich leiht St.Gallen 35 (respektive 40) der Stiftung Zentralbibliothek gehörenden Kulturgüter auf eine unbestimmte Zeit aus. Eine Auflösung des Leihverhältnisses ist erstmals nach 38 Jahren, also im Jahre 2044, möglich. Die Handschriften sind am 25. September 2006 in St.Gallen eingetroffen.

Die Stiftsbibliothek St.Gallen stellt für die Stiftung Zentralbibliothek Zürich von allen ausgeliehenen Handschriften hochwertige digitale Aufnahmen her.

Die Leihbedingungen wurden in einer gemeinsam ausgearbeiteten Vereinbarung geregelt. Die Auswahl der längerfristig nach St.Gallen ausgeliehenen Kulturgüter erfolgte im Rahmen des Leitkriteriums der Identitätsrelevanz für St.Gallen, insbesondere nach den folgenden Gesichtspunkten:
1) eigenständige geistige und künstlerische Leistungen von St.Galler Mönchen aus Mittelalter und früher Neuzeit,
2) liturgische Handschriften mit spezifisch sanktgallischem Heiligenkalender und sanktgallischer Gottesdienstordnung,
3) älteste in St.Gallen geschriebene oder kopierte Texte.

Die vierzig Zürcher Handschriften in der Stiftsbibliothek sind digitalisiert und können als virtuelle Bibliothek frei und integral konsultiert werden.

a) Mittelalterliche Handschriften

1 Ms. A 135 Sammelhandschrift des St.Galler Mönchs P. Gall Kemli mit seinem Bücherkatalog, 15. Jht.

2 Ms. A 152 Kuchimeister, Chronik Kloster St.Gallen, 15. Jht.

3 Ms. C 10i Passionarius maior (Heiligenleben), 9./10. Jht.

4 Ms. C 12 Sog. "Zürcher Psalter", 820/30

5 Ms. C 43 Sacramentarium triplex, 920/30

6 Ms. C 60 Lektionar aus dem Kloster St.Gallen 900/910

7 Ms. C 62 Sammelband mit u.a. Thebaïs des Statius, 10.-12. Jht.

8 Ms. C 74a Quintillian, Institutio retorica, 10./11. Jht.

9 Ms. C 77 (Lektionar Comitis) Epistel und Evangelien, 900/910

10 Ms. C 78 Sammelhandschrift 9.-15. Jht. aus dem Kloster St.Gallen, mit u.a. Alkuin-Texten, dem Aachener Karlsepos, dem Carmina Sangallensia

11 Ms. C 80 Sammelhandschrift mit u.a. Alkuin-Texten, kanonistischen Texten, 9.-13. Jht.

12 Ms. C 98 Notker der Deutsche, althochdeutscher Rhetorik- und Dialekt-Traktat, 11. Jht.

13 Ms. C 100 Walther von Châtillon, Alexandreis, 14. Jht.

14 Ms. 101 Sammelhandschrift des St.Galler Mönchs P. Gall Kemli 15. Jht.

15 Ms. 121 Sammelband mit Texten des Isidor von Sevilla, von Beda Venerabilis und Notker dem Deutschen, 11. Jht.

16 Ms. C 129 Sammelband mit u.a. Liber hermeneumatum, 9. Jht.

17 Ms. C 150 Sammelband des St. Galler Mönchs P. Gall Kemli, 15. Jht.

 

b) Frühneuzeitliche Handschriften

18 Ms. B 73 Ausgabenbuch des St. Galler Abtes Otmar Kunz (1564-1577), 16. Jht.

19 Ms. B 96 Glaubenslehren aus der Vita des Gallus, 17. Jht.

20 Ms. B 115 Übersetzung von zwei französischen Texten Mabillons durch P. Hermann Schenk ins Lateinische, um 1700

21 Ms. B 118 Konvertitenliste der Fürstabtei St. Gallen 1640-1697

22 Ms. B 124 P. Chrysostomus Stipplin, Ius canonicum, 17. Jht.

23 Ms. B 131 Ausgaben-Buch 1706 eines fürstäbtisch-sanktgallischen Beamten

24 Ms. B 134 Wunder am Altar "Maria im Gatter" 1470-1520, Abschrift von 1608

25 Ms. C 106 Vorlesungen Vadians, geschrieben durch den St. Galler Münsterorganisten Fridolin Sicher 1523/24

26 Ms. D 74 Ermahnungen an die Fratres juniores im Kloster St. Gallen, 1633

27a Ms. D 76 Handschrift der Sammlung P. Ulrich Aichhaim, um 1670. Carmina

27b Ms. D 76a Handschrift der Sammlung P. Ulrich Aichhaim, um 1670. De studiis

27c Ms. D 76b Handschrift der Sammlung P. Ulrich Aichhaim, um 1670. Affixiones

27d Ms. D 76c Handschrift der Sammlung P. Ulrich Aichhaim, um 1670. De studiis

27e Ms. D 77 Handschrift der Sammlung P. Ulrich Aichhaim, um 1670. Versus heroici

27f Ms. D 77b Handschrift der Sammlung P. Ulrich Aichhaim, um 1670. Carmina

28 Ms. D 147 Lateinische Redeübungen von St. Galler Novizen, 1660/61

29 Ms. D 155 Lateinische Predigten eines St. Galler Mönchs 1674-1691

30 Ms. D 199 Lateinische Gedichte für den Augsburger Bischof Marquard von Berg, verfasst an der Universität Dillingen von St. Galler Mönchen 1577

31 Ms. D 217 Festschrift aus dem Kloster St. Gallen: Übersetzung des Marienpsalters ins Griechische, 1661

32 Ms. D 219 P. Chrysostomus Stipplin, Gedichte auf die Heiligen jeden Tages, ca. 1630

33 Ms. D 221 Lateinische Gedichte des St. Galler Mönchs Athanasius Gugger, um 1654

34 Ms. D 227 P. Gallus Schindler, Mönch des Klosters St. Gallen: Übersetzung der Regula Benedicti ins Griechische, um 1670

35 Kartensammlung Karte der Fürstabtei St. Gallen um 1700 mit Aufschrift "Ex Bibliotheca Abb. S. Galli"