Stiftsbibliothek St.Gallen
Stiftsbibliothek St.Gallen

Alte Drucke

Wer den Barocksaal der Stiftsbibliothek betritt, wird als erstes die Bücher an den Wänden sehen, erst danach schweift der Blick zu den Vitrinen mit den Handschriften. Obwohl die Zahl der gedruckten historischen Buchbestände diejenige der Handschriften bei weitem übersteigt, verblassen die gedruckten Bücher neben der Bedeutung der handschriftlichen Überlieferung aus dem frühen Mittelalter. 

Dieses Gefälle führte dazu, dass die Druckbestände auch in der Wahrnehmung der Wissenschaft lange Zeit eher ein Schattendasein fristeten. Nicht zu Recht, denn die Bestände aus Theologie, Schule und Verwaltung sind diejenigen einer vielseitigen und stattlichen Klosterbibliothek, in der sich nebst den Texten für den Alltag auch die eine oder andere bibliothekarische Kostbarkeit befindet. 

Unter allen frühneuzeitlichen Äbten des Klosters St.Gallen wurden gezielt Bücher für die grosse Hauptbibliothek erworben, daneben aber auch für die Spezialbibliotheken in anderen Bereichen des Klosters. Teilweise tragen die Bücher heute noch die Vermerke dieser Herkunft: ad scholam (zur Schule gehörend) ist einer der häufigsten, da gerade hier der tägliche Umgang mit Texten grundlegend war. Die Mönche hatten aber im 16. Jahrhundert auch Bücher in ihrem Privatbesitz, die sie entsprechend kennzeichneten: mit ihrem Namen oder mit ihrer Funktion im Kloster. Eine weitere Gruppe bilden die Nachlässe gelehrter Personen, die ihre Bibliotheken teilweise oder als Ganzes der Stiftsbibliothek vermachten und deren Besitzer aufgrund von Einträgen und Gebrauchsspuren ermittelt werden können. Diese Herkunftsbezeichnungen und die daraus sich ergebenden Bestandesgruppen sind heute vermehrt in den Blickpunkt der Forschung gelangt, geben sie doch interessante Hinweise auf die Anlage der Bibliothek und das Sammelinteresse der einzelnen Leser. 

Eine umfangreichere Beschreibung des älteren gedruckten Buchbestandes findet sich im Artikel über St.Gallen in der Übersicht zu den Historischen Buchbeständen der Schweiz. Das Handbuch liegt in drei Bänden gedruckt vor: Handbuch der historischen Buchbestände in der Schweiz = Répertoire des fonds imprimés anciens de Suisse / hrsg. von der Zentralbibliothek Zürich. Hildesheim, 2011.