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01 | 2018


Newsletter Stiftsbezirk St.Gallen

 

Randnotiz


Ausstellungseröffnung

  Am Dienstag, 13. März, eröffnet die Stiftsbibliothek ihre Winterausstellung „An der Wiege Europas - Irische Buchkultur des Frühmittelalters“. Die Veranstaltung ist öffentlich.

Die irische Buchkunst des Frühmittelalters ist von berückender Schönheit. Sie ist Ausdruck der Blüte eines Mönchtums, das vom 6. – 9. Jahrhundert die kulturelle Entwicklung Europas wesentlich mitprägte. In der Stiftsbibliothek ist die schönste Sammlung irischer Handschriften des Frühmittelalters auf dem europäischen Festland erhalten geblieben. Wer sie betrachtet, steht an der Wiege des mittelalterlichen Europas.

17.30 Uhr, Vesper im Chor der Kathedrale
18.15 Uhr, Eröffnung im Pfalzkeller

Einladung zur Ausstellungseröffnung

Passionsmusik

  Am Sonntag, 11. März 2018, erklingt im Chor der Kathedrale um 17.30 Uhr Passionsmusik. Zur Aufführung kommen Werke von Haydn, Bach und Kuhnau.

Haydn schuf im Jahre 1767 im Auftrag seines Dienstherrn Fürst Esterházy eine Vertonung der hochmittelalterlichen marianischen Sequenz, die das Leid der Gottesmutter unter dem Kreuz ihres Sohnes vergegenwärtigt. Das Werk ist der „Sturm-und-Drang“-Phase des Komponisten zuzurechnen: Hochexpressiv vollzieht die Musik die emotionalen Bewegungen der Textvorlage mit. Haydns Kreativität beim Ausdeuten der Worte ist in ihrer seinerzeit neuartigen mitreissenden Eindrücklichkeit bis heute ein Erlebnis für den Hörer.

Die Ausführenden sind:
Collegium Vocale der Kathedrale
Kimberly Brockman, Sopran; Sonja Leutwyler, Alt
Raphaël Favre, Tenor; Richard Helm, Bass
Dompfarrer Beat Grögli, Texte
Collegium Instrumentale auf historischen Instrumenten
Domkapellmeister Andreas Gut


Programm

Vorlesungsreihe

  Im Frühjahr veranstalten die Universität St.Gallen und die Stiftsbibliothek erneut eine gemeinsame Vorlesungsreihe. Sie ergänzt die Ausstellung „An der Wiege Europas – Irische Buchkultur des Frühmittelalters“. An fünf Abenden gehen Spezialisten aus Irland und England vertieft auf die irische Buchkultur des Frühmittelalters ein.

19. März
Die Entstehung der christlichen Zeitrechnung
Prof. Dr. Immo Warntjes, Trinity College, Dublin

26. März
The Book of Kells
Dr. Bernard Meehan, Trinity College, Dublin

9. April
The Shrine and its Presence: The Earliest Portrait of St.Columba in Cod. Sang. 555
Prof. Dr. Jane Geddes, Universität Aberdeen/Dr. Peter Yeoman, Edinburgh

16. April
The Irish St.Gallen Gospels (Cod. Sang. 51) and its Irish family
Dr. Carol Farr, London

23. April
Light from the West: Medieval Views of the Irish and their Books from the Lake Constance Area
Dr. Damian Bracken, Universität Cork

Jeweils montags von 18.00 bis 19.30 im Musiksaal im Dekanatsflügel des Konventsgebäudes.

Sommerprogramm

Stibi   Weltkulturerbe




Stiftsbibliothek: Im 18. Jahrhundert keine Frauenbesuche

Wenn die Stiftsbibliothek St.Gallen heute eine vielbesuchte Touristenattraktion mit über 130‘000 Gästen darstellt, war dies in den ersten Jahren nach dem Neubau des barocken Prachtsaals von 1758/67 noch ganz anders.

Es gab zwar Auswärtige, die in die Bibliothek kamen, aber deren Zahl war sehr gering. Es waren einerseits Forscher und andererseits interessierte gebildete Laien, die das Privileg erhielten, dort arbeiten zu dürfen, oder aber Handschriften und Objekte aus der Raritätensammlung sehen durften. Kuriositäten erregten übrigens bei vielen Gästen das grössere Interesse als die frühmittelalterlichen Manuskripte…

Dass der Zulauf sehr gering war, lag ein bisschen auch im Umstand begründet, dass die Bibliothek in die Klausur des Klosters integriert und damit für Frauen im Prinzip nicht zugänglich war. Ausnahmen konnte nur der Abt persönlich erlauben, und auch dieser tat sich damit offensichtlich schwer, wie das Beispiel von Abt Beda Angehrn beim Besuch des württembergischen Herzogpaars 1787 beweist. Er habe die Ehefrau von Herzog Carl Eugen in die Clausur einlassen müessen, schrieb der St. Galler Fürstabt in sein Tagebuch. Mit dem Argument, dass der Abt des Klosters Einsiedeln ihr dieses Sonderrecht 1783 auch eingeräumt habe, rechtfertigte er seinen Entscheid. Aber wie sich aus seinen Eintragungen zwischen den Zeilen lesen lässt: So richtig wohl fühlte sich Abt Beda dabei nicht. Doch einer Herzogin den Wunsch nach einem Bibliotheksbesuch abschlagen: Nein, das ging schlichtweg nicht.



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